Ich hoffe, daß viele junge Menschen diesen Artikel lesen, denn Ihr habt einen wunderbaren Trend gesetzt – The Analogue Bag! (der jedoch eigentlich gar kein neuer ist, aber das ist ja nicht schlimm!)

Langsamkeit ist in der heutigen Zeit schon fast ein Akt der Rebellion. Genau wie offline sein.

Nun gehöre ich eher zu den „Boomern“, die das Analog-Sein als Grundlebensprinzig eingesogen haben und zu schätzen wissen. Aber ich sehe, wie die Menschen, vor allem auch die jungen, tendenziell immer mehr Zeit digital verbringen. Sie sind in diese technisierte Zeit vom Beginn ihres Lebens an hereingewachsen. Es wird gepostet und geschaut, was die anderen posten, es wird andauernd durchgeguckt, was es für neue Beiträge gibt. Lebenssituationen werden photographiert und geteilt. Bei TikTok und Instagram bin ich selbst nicht, habe jedoch von einem Trend dort gehört, der sich „Analogue Bag“ nennt – Analoge Tasche. Hier packen junge Leute in Videos begeistert analoge Hobbysachen in eine Tasche oder einen Beutel, die sie dann, wenn sie unterwegs sind, bei sich haben. Was analoge Hobbysachen sind? Früher hieß das Tagebuch, Strickzeug, Malsachen, Bücher, Rätselhefte – all das, was man gerne mag :)

„Diese Tasche ist alles andere als ein neues Objekt und dennoch revolutionär. Gerade, weil sie nichts verspricht. Kein Mehr, Besser, Schneller, keine Effizienz, keine Selbstüberwachung. Sie ist einfach nur eine Einladung, in sie hineinzugreifen und etwas anderes zu tun als im Digitalen zu verschwinden.“  (1)

Ich finde es einfach Klasse, daß es erkannt wird – der automatische Griff zum Handy, um „Leerzeiten“ zu füllen. Obwohl jeder mittlerweile den Begriff „Doomscrolling“ kennt = das zwanghafte, sinnlose Lesen von Nachrichten in den sozialen Medien. Das oft ein Gefühl der Leere hinterläßt und des leisen Bedauerns über die verronnene Zeit. Und die jungen Leute haben hier als Gegenmaßnahme einen phantastischen Trend daraus kreiert, den ich gern befürworte und unterstütze – wahrscheinlich braucht man manchmal diesen direkten, physischen Anstupser, um Gewohnheiten zu beobachten und LEICHT zu ändern – mit einer Ersatztätigkeit, die Du mehr liebst. Wobei „Ersatztätigkeit“ hier nicht ganz das richtige Wort ist, denn das Scrollen im Handy ist die Ersatztätigkeit. Auch ich kann mich „zu Recherchezwecken“  :)  in den Weiten des Netzes verlieren. Und beobachte hinterher, wieviel Zeit da plötzlich vergangen ist.

Falls es Dir auch so geht und Du ein Mensch bist, der seine Zeit (eigentlich) gerne mit seinem Hobby verbringt, nur das Handy ist manchmal so schnell und unbewußt zur Hand… – dann pack doch auch mal so eine „Analoge Tasche“. Auf jeden Fall kommen Dinge hinein, die auch unterwegs handhabbar sind. Zum Beispiel an der Haltestelle, im Warteraum, in der Pause auf Arbeit, auf einer Bank im Park.

Wir kennen es von früher, als wir Kinder waren und es ging auf Reisen, dann wurde eine extra Tasche mit Beschäftigungsmaterial gepackt: was zum Spielen, was zum Malen und Basteln, was zum Anschauen, Vorlesen oder Lesen. In der Studentenzeit kam das Strickzeug immer mit zur Vorlesung. Heute kommt bei mir das kleine Büchlein in der Handtasche mit, zusammen mit einem Stift, einer kleinen Schere und einem Klebestic. In den längeren Urlaub kommt dann der Riesen-Analog-Korb mit – mit Büchern und Zeitschriften, meinem Art Journal, einem Skizzenbuch, einer Auswahl Stifte, Bastelpapier, Sticker und Dekotape zum Gestalten…

Analog-Zeit ist langsame Zeit. Wenn Du 5 Minuten malst (schau mal auf die Uhr dabei), dann spürst Du das. Und Du siehst es.

Vor allem ist es DEINE Zeit – Du bestimmst, wohin Du Deine Gedanken fließen läßt. In die nächste gestrickte Maschenreihe, in eine Szene Deines Lieblingsbuches, in die Gestaltung oder den Text Deines Mal- oder Tagebüchleins. In eine kleine Skizze bei einem Käffchen.

 

Quellen und Inspiration:

Hier gibt es wunderbare Artikel zum Weiterlesen:

(1)  Peter Praschl in der Welt vom 26.01.2026  „Der Kult um den Tragebeutel, der Frauen die Seelen rettet“ 

(2) Chloe Mac Donnall in The Guardian vom 09.01.2026  „The rise of the Analogue bag: fashion´s anwser to doomscrolling“

(3) YouTube-Kanal „MeaghyMouse“  „Avoid Doomscrolling with Screen-Free Hobbies and Mindful Living“

Außerdem vermitteln viele YouTube-Videos zu dem Thema, tatsächlich vorrangig von jungen Frauen, die Brisanz des Themas. Laß uns gemeinsam Wege finden, aus dieser Abhängigkeit von der digitalen Welt in unserer Freizeit herauszukommen. Als erstes gehört dazu, sich das bewußt zu machen. Und eine Tasche mit alternativen Tätigkeitsangeboten, die noch dazu Deine Kreativität fördern, kann ein Schritt dahin sein. Ein zweiter Schritt kann sein, daß Du Dir ein kleines Refugium zu Hause schaffst, in dem Du ganz für Dich Deinem Lieblingshobby nachgehen kannst. Wo das Blatt und die Stifte auch mal liegenbleiben können – meist benutzt man das als Erstes, was auf dem Tisch bereitliegt. Sorge dafür, daß das nicht Dein Phone ist!  :)