
Hast Du Dich schon einmal gefragt, worin die Faszination der Spiralform liegt? Sie hat doch etwas Überirdisches, oder? Es wirkt, als ob sie auf gewisse Weise lebt, vibriert, eine Frequenz ausstrahlt.
Ich arbeite sehr gern mit der Spiralform, da sie sehr vielfältig ist. Sie lädt zum Experimentieren ein. Oft gelingt sie mir nicht perfekt, aber das ist nicht schlimm. Auch ist das Ergebnis meist nicht vorgeplant. Das ist für mich sowieso die schönste und entspannteste Art zu malen – einfach beginnen und schauen, was entsteht. Aber dennoch gibt es einen Tipp, wie die Spirale akkurat ausgeführt werden kann. Wir kommen dann gleich zum Zeichnen.
Aber schauen wir erst einmal, wo die spiralförmigen Ornamente überall zu finden sind. Schon seit Tausenden von Jahren sind unsere Altvorderen begeisterte Spiralenmacher. Spiralen sind bereits auf Objekten der neolithischen Megalithbauweise ab ca. 4.500 v.Chr. zu finden. Vielleicht sind die Spiralenornamente in Newgrange auf dem Eingangsstein mit die berühmtesten, offiziell ist der Originalbau dieser Megalithanlage über 5.000 Jahre alt.

Eingangsstein von Newgrange, Photo von Sitomon über Wikimedia Commons
Hier weitere Beispiele aus ganz unterschiedlichen Epochen:
- Gebälkverzierung in Donnsdorf
- Kragstein in Pößneck, spiralförmige Wurzeln des Lebensbaumes (oder eine gestürzte Irminsul?)
- Kirchenbank im Zwickauer Dom
- „Post aus einer sagenumwobenen Welt“ -Diskos von Phaistos (1), spiralförmige Anordnung von Hieroglyphen und Symbolen
- Irminsuldarstellung in Autreville
- Deckenmalerei in der Kirche in Collmen
- Türbeschläge Lütjenburg
Der Spirale scheint eine Magie innezuwohnen. Die Menschen sahen / sehen in ihr ein Symbol für die Sonne, für das Atmen, für das Leben an sich. Spiralen vermitteln eine Vorstellung von Unendlichkeit. Sie wurden als Schutzsymbol und Stammeszeichen verwendet.
Ist Dir schon einmal aufgefallen, wie unterschiedlich es sich anfühlt, eine Spirale von innen nach außen oder von außen nach innen zu malen?
Zum Üben empfehle ich Dir, so viele Spiralenmuster wie möglich zu kritzeln. Mit der Zeit entwickelt sich ein Gespür für den Schwung und die Rundung. Auch, wenn es nicht superrund geworden ist, sieht es trotzdem immer schön aus. Hier sind einige Freihandzeichnungen. Besonders spannend ist hier das Überlappen der Spiralen und das Zusammenwirken mit den Farben.
„Akkurate“ Spiralen malen:
Auf der nebenstehenden Zeichnung nehme ich Dich kurzerhand einmal mit in mein Skizzenbuch. In 3 Schritten habe ich skizziert, wie Du eine schöne, ebenmäßige Spirale entwerfen und zeichnen kannst:
1. Zuerst malst Du Dir Hilfskreise (sie sind im Bild blau nachgemalt, um sie im darauffolgenden Schritt von der Spirale unterscheiden zu können), entweder freihand oder mit dem Zirkel. Die Abstände entsprechen den Abständen der späteren Spirale.
Die Hilfskreise können in jeweils gleichen Abständen zueinander liegen oder sich allmählich immer weiter voneinander entfernen. Dann würde die Spirale von innen nach außen immer dicker werden (ähnlich Schneckenhaus)
2. In der Mitte beginnst Du mit der Spirale. Sie entfernt sich vom mittelsten Hilfskreis, um sich ca. nach einer Dreivierteldrehung an den nächsten Hilfskreis anzuschmiegen. Mit diesem läuft sie ca. einen Viertelkreis mit, löst sich von ihm und nähert sich während der nächsten Dreivierteldrehung an den nächsten Hilfskreis an (siehe jeweils an den gestrichelten Markierungen). So arbeitest Du Dich von Hilfskreis zu Hilfskreis nach außen bis zur gewünschten Größe.
3. Du führst die Spirale in Deiner Lieblingsfarbe aus und radierst alle Hilfslinien weg. Jetzt kannst Du sie dekorieren, ausmalen usw.
Mit etwas Übung kannst Du mit dieser Technik tolle Spiralen in jeder Größe zeichnen.

Blattranke in Spiralform
Wenn Du magst, laß mir gern Deine Ideen, Anregungen und Erfahrungen zukommen und schreibe mir an: info@hobby-kreativ.de – vielen Dank!
Quellen und Inspiration:
Wikipedia: Spirale, Triskele, Wirbelrad, Newgrange
(1) Paul J. Muenzer „Spiralförmige Inschriften auf Scheiben und Schalen von König Minos bis Knud dem Großen“, Hagenberg-Verlag, 1981