Stapelburg mit seiner uralten Wallburg liegt eingebettet in die hügeligen Ausläufer im nördlichen Harzvorland als nordwestlichster Ort des Ost-Harzes. Zur Zeit der innerdeutschen Grenze befand sich Stapelburg direkt im Sperrgebiet. Der Ort Eckertal, der auf der Karte wie ein Ortsteil von Stapelburg aussieht, gehört jedoch zu Bad Harzburg und lag bereits im Westen. Da konnte man sich quasi über die Grenze zuwinken. Von Eckertal aus gelangst Du in das Tal der Ecker, von wo aus Du wunderschöne Wanderungen unternehmen kannst.

Die Ecker, die im Harz-Massiv entspringt, fließt hier aus ihrem Tal heraus ins ebene Gelände. „Die Ecker sammelt ihr Wasser beim Eckersprung auf einer Höhe von 893 m Höhe, mündet bei Wiedelah, nachdem sie 770 m, verteilt auf 25 km, heruntergesprungen ist, in die Oker. Sie ist nur ein kleines Flüßchen, aber seit langen Zeiten von höchster Bedeutung, denn sie versorgte nicht nur die Mühlen an ihren Ufern, sondern war und ist ein Grenzfluß. Vor langer Zeit trennte sie Preußen von Braunschweig, später die beiden Deutschen Staaten, jetzt Sachsen-Anhalt und Niedersachsen und die Landkreise Goslar und Harz.“ (1) Darüber hinaus waren die Bergflüsse schon vor Urzeiten Tore in die Bergwelt, auf denen Holz transportiert wurde, in deren Tälern Handelsstraßen entlangliefen.

Von den Anfängen der Burgruine Stapelburg, im Nordosten des Ortes gelegen, ist wenig überliefert. Aufgrund der günstigen Lage – erhöht über dem ebenen Harzvorland mit guter Rundumsicht – ist eine prähistorische Nutzung des Burgberges wahrscheinlich. Vielleicht lag hier sogar einst der Beginn der Besiedlung. Denn der heutige Ort Stapelburg liegt tief in der flachen Ebene, nicht günstig für frühere Verhältnisse, als das flache Vorland von Fluß- und Bachläufen und Mooren durchzogen war.

Eine andere Möglichkeit des Anfanges der Besiedlung an der Ecker liegt an einer Stelle, wo früher erhöht auf einem der hügeligen Harzausläufer das Dorf Windelberode lag, das heute eine Wüstung ist, ca. einen dreiviertel Kilometer nordwestlich von Stapelburg entfernt. Wenn Du auf der Karte schaust, liegt es an einem Hügel und direkt neben der Ecker. 995 wird Wendilburgoroth erstmals beschrieben, als Otto III. es der Stiftskirche Meißen schenkte. ( war ja auch nicht gerade der nächste Weg :)  ) Bereits 1290 wird dort der erste Pfarrer erwähnt, das bedeutet, daß es eine Kirche oder Kapelle gab.

die Ecker und Stapelburg (Quelle: OpenStreetMap)

Mit der Gründung Stapelburgs in der Ebene (wahrscheinlich war die Entwässerung des flachen Landes zu diesem Zeitpunkt bereits fortgeschritten) verlor Windelberode an Bedeutung und wird bereits 1506 als wüst beschrieben. Die verfallenen Mauern der Windelberoder Kirche wurden jedoch 1892 bei Erdarbeiten entdeckt und untersucht und komplett archäologisch ergraben. (2) Vielleicht gab es hier die ersten Ansiedlungen, und auf die Wallburg zog man sich bei Wasser oder Gefahr zurück, oder sie war zu einer Zeit vor dem Burgenbau der Versammlungs- und Thingplatz der Dorfgemeinschaft.

Kleiner Exkurs nach 1892: In dem Artikel aus der Zeitschrift des Harz-Vereins (2) von 1892 gibt es einige sehr interessante Details, die zu dem Zeitpunkt vor über 100 Jahren, als dort die Ausgrabung stattfand, bei den Dorfbewohnern noch bekannt waren. Zum Beispiel war noch bekannt, daß der Hügel, auf dem ehemals die Windelberoder Kirche stand, komplett von einer lebendigen Hecke umgeben war, die teilweise auf einer Steinmauer ruhte. Dies weist auf einen möglicherweise zu früherer Zeit bestehenden Thingplatz hin, die immer umgrenzt waren, unter anderem auch durch Hecken. Auch erzählten die Stapelburger 1892, daß bis vor einigen Jahren von dem alten Ort ein Deich hinüberführte nach Stapelburg, der erst kürzlich eingeebnet worden war. Dies weist auf die damals vorhandene Feuchtigkeit und Nässe des Bodens in der Ebene hin sowie auf die zunehmende Entwässcrung des flachen Landes. Jahrhundertelang wurde Stück für Stück das Wasser abgegraben, umgeleitet, tiefer gelegt, Flußläufe begradigt und vertieft. Die Dürre, die wir heute oft haben, läßt sich wohl zum größten Teil auf diese Machenschaften zurückführen.

die heutige, schön gepflegte Burgruine (Photo Creative Commons, Autor Dguendel – Quelle 3)

Blick von der Burganlage auf den Ort Stapelburg und den wolkenverhangenen Harz

Der Burgstandort ist von einer doppelten, noch sehr deutlich sichtbaren Wallanlage umgeben. Vielleicht ist sie auf eine bereits weit vor dem Mittelalter existierende Wallburg zurückzuführen. Der Bau der mittelalterlichen Burg fand wahrscheinlich in der Zeit des 11. und 12. Jh. statt, in der die meisten Reichsburgen im Harz entstanden. Sie reihen sich wie eine Perlenkette entlang des Harzrandes. Ganz in der Nähe verlief eine alte Handels- und Heerstraße, der Hellweg, und zwar seine nördliche Route von Paderborn kommend, am nördlichen Harzrand über Goslar, Harzburg, Derenburg und Quedlinburg, dann über Giebichenstein bis Leipzig.  (4)

Die erste, heute noch erhaltene, urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1306. Die Burg hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, sie beherbergte verschiedene Adelsfamilien, später Amtmänner. Im 18. Jh. wird sie bereits als Ruine beschrieben: im Ort Stapelburg gab es ein großes Feuer, das die Häuser zerstörte, und während des Wiederaufbaues dienten die Burggebäude als Baumaterial. So sind heute von der komplexen Befestigungsanlage nur noch Mauerreste zu sehen. Der Verein Interessengemeinschaft Burgberg e.V. kümmert sich seit 2010 liebevoll um den Erhalt des Geländes und der noch vorhandenen Mauern- und Fundamentreste. Auch ein Kellergewölbe konnte erhalten und als hübsche kleine Gaststätte hergerichtet werden. Auf der Netzseite des Vereins werden Sage, Überlieferung und Geschichte der Burg ausführlich und interessant dargelegt.  (5)

In Richtung der Harzberge nach Westen geht es durch den Ort Eckertal zur Ecker. An ihrem Flußlauf wandern wir in die Berge hinein. Dort wird uns hochdroben auf einem Klippensporn die sagenumwobene Ruine der Ahlsburg begegnen. Die Ahlsburg wird auch Alahesburg, Mahlsburg oder Wahlburg genannt. Diese Namen weisen auf einen einst für unsere Altvorderen herausragenden Ort von großer Bedeutung hin…

Die Ahlsburg wird die Hauptfigur meiner nächsten Geschichte.

 

Quellen und Inspiration:

(1) eine wunderschöne Harz-Wanderseite: http://www.harzburger-wanderseite.de/fileadmin/wanderseite/images/content/OTTO/Wanderberichte/2016/2018/2018.02.15._Mein_schoenster_Weg_.pdf

(2) archäologische Ausgrabungen in der Wüstung Windelberode in der „Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde“, 25. Jg. 1892: https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00211808/Zeitschrift_Harz-Vereins_Altertum_1892_25_0369.tif

(3) Wikimedia Commons, Creative Commons Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de

(4) Netzseite über Altwege in Deutschland: https://www.altwege.de/index.html?Startseite=Startseite

(5) Netzseite der Interessengemeinschaft Burgberg e.V.: https://www.die-stapelburg.de/